Pfarrkirche wird zum Jazz-Tempel

HOCHHEIMER BLASORCHESTER Musiker begeistern in dem voll besetzten Gotteshaus

HOCHHEIM/MAIN. In der Wirtschaftssprache würde man von einer klassischen Win-win-Situation sprechen. Am Freitag sorgte der Rotary-Club Hochheim-Flörsheim-Oberer Rheingau für ein ausverkauftes Konzert mit dem Hochheimer Blasorchester in der frisch sanierten Pfarrkirche St. Peter und Paul. Davon profitierten nicht nur die Konzertbesucher, sondern auch das Familienzentrum „Mamma mia“ und das wieder in Betrieb genommene „Daubhäuschen“, denen der Erlös des musikalischen Abends zufließt.

Und auch das große Bläserensemble durfte sich über den Auftrittsort freuen. Die Akustik der Barockkirche hat schon deutliche Vorzüge gegenüber der Stadtsporthalle, wo üblicherweise die Jahreskonzerte gegeben werden. Holz- und Blechgebläse mit Verstärkung Dirigent Rail Grodzenski und sein rund 40 Musiker starkes Orchester, das im Altarraum Platz genommen hatte, verneigten sich dann gleich zu Beginn vor dem Sakralraum. Mit den getragenen Klängen von Franz Schuberts Deutscher Messe gab es eine Referenz an den ehrwürdigen Ort mit seiner barocken Fresken-Pracht, die erst vor Kurzem nach einer Brandstiftung wieder in den alten Zustand zurückversetzt wurde. Das war es dann aber vorerst schon mit geistlicher Musik. Das Orchester mit seinen Holz- und Blechblasinstrumenten, verstärkt durch Bassgitarre und Schlagwerk, fühlt sich wesentlich besser zuhause in der Welt des Jazz, des Swing, der Populär- und Filmmusik.

Eloquent und charmant führte Claudia Stankau, die derzeitige Präsidentin der örtlichen Rotarier, durch das Programm. Dabei zeigte sie sich akribisch vorbereitet und überraschte mit Detailkenntnissen zur gespielten Musik, den Komponisten und Interpreten. Gleichzeitig gab sie Informationen zur rotarischen Idee und den Aktivitäten des caritativen Zusammenschlusses von 30 Aktiven aus unterschiedlichen Berufsgruppen in ihrem lokalen Club. Erst 2014 gegründet, haben die Rotarier bereits stark das Hospiz in Flörsheim oder durch die Teilnahme am 24-Stunden-Lauf das Antoniushaus unterstützt. Durch Stände auf Märkten und Benefizveranstaltungen wurde Flüchtlingskindern die Möglichkeit zur Teilnahme an den Hochheimer Ferienspielen eröffnet. Geschickt waren von ihr die Infoblöcke zwischen die Musik gesetzt, die für restlos gute Stimmung sorgte.

Rail Grodzenski als musikalisch Verantwortlicher hatte sich aber auch echte Höhepunkte der Musikgeschichte ausgesucht, die seine Interpreten famos darzubieten wussten. Da swingte beispielsweise die Gute-Laune-Musik des „Wild Cat Blues“, der mit einem schrägen Katzen-Miauen humoristisch endet. Der „Happy-Sound“ des James-Last-Orchesters entführte zu geschmeidigen Kompositionen, die viele noch aus der Fernsehunterhaltung der 1970er und 80er Jahre kannten.

Der große Frank Sinatra kam mit „Something stupid“ und „My way“ gleich zweimal in Orchesterversion für Bläser zu Gehör. Und das „Girl of Ipanema“, der wohl berühmteste Titel von Antonio Carlos Jobim, dem auch der ehrenvolle Beiname „Gershwin von Brasilien“ zukommt, durfte auch nicht fehlen. Schmetternde Trompeten, wuchtige Tuben, romantische Hörner oder melodieführende Querflöten und Klarinetten sowie röhrende Saxofone schufen großes Volumen und zauberten eine mächtige Klangkulisse in das Gotteshaus, das sich zum Jazz-Tempel verwandelte. Erst zum Finale erinnerte einen der Gottesdienst-Klassiker „Großer Gott wir loben Dich“, an den Ort, wo dieses vielbeklatschte Konzert tatsächlich stattfand.

Quelle: Main-Spitze vom 8. Mai 2017

Impressionen

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .